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Krisenvorsorge gestärkt: Winsen (Aller) nimmt neue Sandsackfüllmaschine in Betrieb

Bis zu 2600 Sandsäcke in einer einzigen Stunde: Die Gemeinde Winsen (Aller) hat eine neue Sandsackfüllmaschine vom Typ TITAN 2400 in Betrieb genommen. 

Sie erleichtert die Bekämpfung eines möglichen Hochwassers erheblich, da Hochwasserschutzlinien schneller und mit deutlich geringerem Personalaufwand aufgebaut werden können. Dank Stromaggregat und Lichtmast ist die Maschine zudem unabhängig von Stromanschlüssen einsetzbar – auch im Dunkeln. 

Ein Mitarbeiter der Firma SAQUICK führte nun in ihren Betrieb ein. Bei der Gelegenheit füllten die Kollegen des Winser Bauhofs bereits eine erste Palette mit Sandsäcken.

Die Anschaffung der leistungsfähigen Sandsackfüllmaschine ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, mit dem die Gemeinde die Erkenntnisse aus dem Hochwasser des Winters 2023/2024 nutzt. Ziel ist es, Winsen (Aller) organisatorisch, technisch und baulich optimal auf künftige Hochwasser und andere außergewöhnliche Ereignisse vorzubereiten.

Führungsstrukturen ausgebaut
Bereits am 5. März 2024 gründete die Gemeinde eine Arbeitsgruppe aus Führungskräften der Verwaltung und der Gemeindefeuerwehr. Sie tagt seitdem monatlich und bildet das strategische Zentrum für alle Fragen der Krisenvorsorge – von Hochwasser über Cyberangriffe bis hin zu Großbränden oder Blackouts. Die Arbeitsgruppe entwickelte klare Vorgehensmodelle, Standardverfahren und einsatzbereite Dokumente, damit der SAE im Ernstfall sofort arbeitsfähig ist.

Als zentrales Führungselement wurde der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) unter Leitung des Bürgermeisters eingerichtet. Für Verwaltung und Feuerwehr wurden jeweils eigene Stabsräume eingerichtet. Die technische Ausstattung umfasst alle wichtigen EDV-Systeme und kann bei Bedarf mit einer eigenständigen Internetverbindung (Starlink) versorgt werden, um die Handlungsfähigkeit in Krisensituationen zu gewährleisten.

Zudem wurde ein Alarmierungs- und Kommunikationssystem für den Verwaltungsstab vorbereitet, um auch außerhalb der Dienstzeiten eine zuverlässige Erreichbarkeit sicherzustellen.

Mehrere Führungskräfte der Verwaltung ließen sich an der „Akademie Hochwasserschutz“ zu Fachberatern Hochwasserschutz ausbilden. Parallel wurde ein Pool aus freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung aufgebaut, die im Katastrophenfall unterstützen wollen.

Feuerwehrhäuser und Dorfgemeinschaftshäuser sollen in Krisen als „Leuchttürme der Daseinsvorsorge“ dienen. Die Personalstärke dieser Anlaufpunkte richtet sich nach der konkreten Situation. Zur Sicherstellung der Kommunikation – auch bei Stromausfall – wurden BOS-Funkgeräte (Behörden- und Organisationsfunk) beschafft.

Technische Vorsorge und bauliche Schutzmaßnahmen
Die Gemeinde hat auch infrastrukturell gezielte Maßnahmen umgesetzt:

  • Stromversorgungspunkte an den Pumpstationen wurden erweitert oder neu eingerichtet, sodass Wasserpumpen auch bei Ausfällen betriebsfähig bleiben.
  • Mehrere mobile Pumpen wurden angeschafft, um große Wassermengen flexibel ableiten zu können.
  • An neuralgischen Punkten wurden Absperrschieber in der Regenwasserkanalisation installiert, die den Rückstau des Wassers aus der Aller verhindern.
  • 45.000 Euro flossen in die Aufarbeitung alter Wassergräben, um den Abfluss aus überfluteten Bereichen langfristig zu verbessern.

Als Notunterkunft und Koordinationszentrum im Krisenfall ist die Grundschule am Amtshof vorgesehen. Dort wurde eine Fremdeinspeisemöglichkeit geschaffen, um das Gebäude bei einem Blackout an ein externes Stromaggregat anschließen zu können. So ist etwa der Betrieb von Beatmungsgeräten gesichert. Zudem hat der Winser Bauhof zwei große Benzin- und Dieselfässer mit integrierten Elektropumpen angeschafft, um genügend Treibstoff für Pumpen, Aggregate und Einsatzfahrzeuge bereitzustellen.

Fördermittel gesichert, Projekte umgesetzt
Finanziell konnte die Gemeinde ebenfalls Erfolge verbuchen: 2,7 Millionen Euro an Fördermitteln wurden eingeworben, die für die Beseitigung von Hochwasserschäden eingesetzt werden. Durch die Kooperation mit spezialisierten Planungsbüros wird sichergestellt, dass alle geförderten Projekte fristgerecht und fachgerecht umgesetzt werden. Zusätzlich arbeitet die Verwaltung eng mit der Umweltagentur Niedersachsen sowie den Nachbargemeinden Hambühren und Wietze zusammen, um Fördermittel und Expertenwissen gemeinsam zu nutzen.

Bürgermeister Oelmann: „Winsen ist heute deutlich besser vorbereitet“
„Mit der neuen Sandsackfüllmaschine, den erweiterten Führungsstrukturen, technischen Verbesserungen und erfolgreichen Förderprojekten ist Winsen (Aller) heute deutlich besser auf Hochwasser und andere außergewöhnliche Ereignisse vorbereitet“, stellt Bürgermeister Dirk Oelmann fest. „Gemeinsam tragen all diese Maßnahmen entscheidend zur Stärkung unserer Einsatzbereitschaft und zur Sicherheit der Bevölkerung bei.“