Winsen (Aller) 1945–2020. 75 Jahre Frieden

Teil 3: 1960–1969

Neue Allerbrücke


Schon im Mittelalter überspannen bei Winsen Brücken die Aller. Wenn an dieser Stelle, wo sich seit alters her wichtige Handelswege kreuzen, keine Möglichkeit zur Flussüberquerung bestanden hätte, wäre die Geschichte des Ortes eine andere gewesen.

Seit 1926 verbindet die aus Eisen und Eisenbeton erbaute „Hindenburgbrücke“ die Allerufer. Ende des Zweiten Weltkrieges, am 13. April 1945, sprengen deutsche Soldaten diese Konstruktion, um den sich nähernden Briten die Besetzung des Ortes zu erschweren.

Bereits zwei Tage später errichten die Alliierten an derselben Stelle eine Behelfsbrücke aus vormontierten Einzelbauteilen: Die sogenannte „Engländerbrücke“ hält immerhin 18 Jahre lang dem stetig wachsenden Verkehr statt. Für die Ewigkeit ist sie freilich nicht gebaut. So wird die Behelfsbrücke 1963 schließlich aufgebockt, an Land gezogen und dort auseinandergebaut.

Gleichzeitig zieht man eine neue Stahlhochbrücke, die auf der Allerwiese zuvor zusammengesetzt worden ist, vom Ufer aus über den Fluss in die vorgesehene Position. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt etwa 850.000 DM.


Erstes Heideblütenfest


Der Meißendorfer Gastwirt Arnold Bornemann lädt im August 1964 zu einem Heideblütenfest in sein Gasthaus „Zum Birkhahn“ ein. Bei Blasmusik einer bayerischen Stadtkapelle feiern die Meißendorfer ihre blühende Heidefläche. Man beschließt, das Fest jährlich zu wiederholen.

Im Folgejahr wird die erste Heidekönigin gekrönt. Wählbar sind Damen im Alter von 16 bis 60 Jahren, die in Meißendorf wohnen. Aus 25 Bewerberinnen wählt das zehnköpfige männliche Wahlgremium die junge Christa Wiebke (heute verh. Tanke) nach einem Vortanzen im Festzelt aus.

Heute haben sich die Zeiten geändert und die Heidekönigin sowie zwei Hofdamen werden mittlerweile von allen Festbesuchern gewählt. Die Wahl erfolgt über einen Stimmzettel, den sie mit der Eintrittskarte erhalten. Nach der Krönung auf der Heidefläche werden Königin und Hofdamen mit einem Umzug inthronisiert.

Die drei gekürten Damen werben als Botschafterinnen auf zahlreichen Veranstaltungen – für Meißendorf, Winsen und die gesamte Heideregion.

Das Heideblütenfest findet alljährlich am letzten Samstag im August als einzige Feier dieser Art im Celler Landkreis statt. Ausgerichtet wird es von der Dorfgemeinschaft Meißendorf, die zu diesem Anlass jedes Jahr Hunderte von Besuchern begrüßt.

Bild 3: Christa Wiebke, 1965 erste Heideblütenkönigin


Bau der Schule am Krähenhof


Niedersachsen führt 1962 für die Volksschulen das 9. Schuljahr ein. In der Folge wechseln viele Schulkinder der Außendörfer von ihren Dorfschulen, die die für die 9. Klasse geforderten Voraussetzungen nicht erfüllen, an die Winser Mittelpunktschule. Dort herrscht nun allerdings akute Platznot: 666 Schüler verteilen sich auf 20 Klassen und eine zusätzliche Sonderschulklasse. Die Gemeinden Winsen und Südwinsen schließen sich deshalb zu einem Schulzweckverband zusammen und suchen ein geeignetes Grundstück für eine zweite Volksschule.

Oberkreisdirektor Dr. Axel Bruns betont die Notwendigkeit, dass der Standort die – zu diesem Zeitpunkt noch selbstständigen – Gemeinden Winsen und Südwinsen als Einheit ausweise. Auch sollten die Schulkinder beider Orte einen möglichst kurzen Schulweg haben.

Bild 5: Ein Kran fügt die Fertigbauelemente zu Klassenräumen zusammen.


Die Untersuchung des Baugrunds führt zu dem Ergebnis, dass sich der Krähenhof am besten als Standort eignet. Vorteilhaft ist hier, dass sich der Großteil der benötigten Fläche bereits im Besitz der Gemeinde Winsen befindet. Dennoch machen es sich die Ratsmitglieder mit ihrer Zustimmung für das Bauvorhaben nicht leicht: Immerhin ist der Krähenhof der traditionelle Schützenfestplatz und verfügt über einen alten Eichenbestand. Ende März 1968 stimmen die Gemeinderäte Winsen und Südwinsen für die Errichtung der Schule an diesem Ort.

Am 11. Dezember 1969 wird der Komplex eingeweiht und am nächsten Tag ziehen 304 Kinder aus der Winser Volksschule und 54 Kinder aus der Südwinser Schule in das neue Gebäude.

Bild 4: Die Schulkinder ziehen am 12. Dezember 1969 in ihre neue Schule um