Bei der Podiumsdiskussion anlässlich der Kommunalwahl ist mir aufgefallen, dass sowohl bei bereits in Gremien vertretenen, aber auch bei erstmals zur Wahl stehenden Bewerbern, die ihre Partei oder Gruppierung in der Diskussion vertreten haben, offenbar erhebliche Defizite im Wissen um die Wirtschaftsbetriebe Allertal bestehen.
Daher möchte ich die dort getätigten Aussagen auch nicht unkommentiert im Raum stehen, denn der dort geäußerte Unsinn war nur schwer zu ertragen. Es steht mir nicht zu, hier über einzelne Wortbeiträge zu berichten oder diese als Grundlage für meinen Beitrag zu verwenden. Vielmehr möchte ich Ihnen mit kurzen und knappen Erklärungen verdeutlichen, warum die Wirtschaftsbetriebe Allertal (WBA) gegründet wurden und was sie eigentlich machen.
Vor rund zehn Jahren uferten die finanziellen Verluste, die die Gemeinde mit den Sparten Schwimmbad und Tourismus machte, immer weiter aus. Offen wurde seinerzeit darüber diskutiert, das Schwimmbad aufgrund der Verluste zu schließen. Damals war die Gemeinde Winsen (Aller) auch noch Mitglied in der Tourismusregion Celle (TRC) und musste im Schnitt u. a. jedes Jahr ca. zwanzig- bis dreißigtausend Euro an Mitteln aufbringen, um Veranstaltungen in Celle, die für uns keine touristische Bedeutung hatten, mitzufinanzieren. Das Winser Schwimmbad lag zu der Zeit bei einem jährlichen Defizit von dreihunderttausend Euro.
Die Idee, eine Firma zu gründen, nämlich die WBA, in der diese Sparten überführt werden, war damals eine wichtige und richtige Entscheidung, denn somit hatte man steuerlich ganz andere Möglichkeiten, Verluste abzuschreiben und Strukturen aufzubauen, die eine gewinnorientiertere Ausrichtung ermöglichten.
Als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Gemeinde Winsen (Aller) und somit weiterhin unter Aufsicht des Gemeinderates lief man auch nicht Gefahr, dass sich hier irgendetwas verselbständigte, auf das die Politik keinen Einfluss mehr hatte.
Als Vertreter des Gesellschafters (Gemeinde) kann ich (Bürgermeister) daher auch nur Entscheidungen fällen, die mir die Politik (Gemeinderat) aufgetragen hat. Für die Führung der WBA sind zwei Geschäftsführer eingesetzt worden, die dieses ehrenamtlich und ohne jede Aufwandsentschädigung erledigen.
Die Ratsherren Friedrich-Wilhelm Falke und Wolfgang Hoffmann tun diese Arbeit, die täglich mehrere Stunden Zeit erfordert, seit vielen Jahren und haben hier Erfolge vorzuweisen, die sich mehr als sehen lassen können.
So ist das Defizit im Schwimmbad um mehr als einhunderttausend Euro jährlich gesunken und auch der Bereich Tourismus steht besser da. In den zehn Jahren seit der Gründung der WBA sind somit Defizite von rund eineinhalb Millionen Euro verhindert worden, was zu einem ganz großen Teil der beiden Geschäftsführern und der Kämmerei der Gemeinde Winsen (Aller) zu verdanken ist.
Wenn sich also angehende oder auch schon im Amt befindliche Vertreter unserer Ratsgremien hinstellen und die Abschaffung der WBA fordern mit der Begründung, dass das ein Pleiteunternehmen sei, dann fordern sie damit auch gleichzeitig die Schließung unseres Schwimmbades und einen Rückbau der touristischen Infrastruktur.
Ob sie das wirklich wollen zweifle ich stark an. Nur wenn man sich auf ein Podium begibt und mitdiskutieren will, dann sollte man vorher doch seine Hausaufgaben machen und nicht die gute Arbeit anderer verbal mit Füßen treten.
Ich jedenfalls bin sehr froh, dass gerade die ehrenamtlichen Geschäftsführer diese Arbeit mehr als gewissenhaft erledigen und ziehe meinen Hut vor ihnen und ihrer Leistung. Danke, lieber Wolfgang und lieber Friedrich-Wilhelm, dass ihr diese Arbeit für die Menschen in eurer Gemeinde auf euch nehmt und euch auch durch gedankenlose Rederei nicht beirren lasst.
Dirk Oelmann
Bürgermeister
