Archivierte Berichte

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Volkstrauertag 2019

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

1919 rief der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ erschüttert von den Schrecken des Ersten Weltkriegs und seinen 10 Millionen Opfern den Volkstrauertag ins Leben. Das Gedenken an die Opfer, so die Hoffnung, sollte zum Frieden mahnen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Schon 20 Jahre später brach der Zweite Weltkrieg aus, über 50 Millionen Menschen wurden getötet. Gerade in diesem Jahr werden wir aufgrund der besonderen Jahrestage der Kriegsausbrüche durch viele Dokumentationen und Veröffentlichungen an diese Kriege und das damit verbundene Leid erinnert.

Neben den Erinnerungen an die beiden Weltkriege bekommen wir auch jeden Tag mit den Nachrichten die traurige Gewissheit, dass Kriege, Vernichtung, Flucht und Vertreibung nach wie vor allgegenwärtig und unzählige Opfer, trauernde Hinterbliebene und zerstörte Existenzen zu beklagen sind. Lange Flüchtlingsströme, überfüllte Auffanglanger mit unvorstellbaren Lebensbedingungen und Tausende in den letzten Jahren im Mittelmeer ertrunkene Frauen, Kinder und Männer machen die humanitäre Katastrophe deutlich, die um uns herum passiert. Und mit den wieder aufgeflammten kriegerischen Ereignissen in Syrien ist neues Leid, dessen Auswirkungen bis zu uns spürbar sein werden, zu erwarten. Auch der unfassbare Anschlag auf die Synagoge in Halle zeigt einmal mehr, dass mitten unter uns noch blinder Hass auf Minderheiten, Religionen oder Andersdenkende existiert, den wir als Gemeinschaft nur verurteilen können und mit der Frage verbinden müssen, was wir noch mehr dazu beitragen können, dass solche geistigen Verirrungen nicht noch einmal passieren.   

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, am 17. November finden in allen Ortsteilen der Gemeinde Gedenkfeiern statt zur Erinnerung an Krieg und Gewalt sowie zum Gedenken an die Opfer. Trauer lässt sich nicht staatlich verordnen, sie ist ein sehr persönliches Gefühl. Mitfühlen, gemeinsames Erinnern und Gedenken aber bringen zum Ausdruck, dass die unmittelbar Betroffenen nicht allein sind, dass wir uns als Gemeinschaft empfinden, die sich zur Friedfertigkeit bekennt. Der Volkstrauertag darf sich nicht in der Rückschau auf das Gewesene und in der Tradition erschöpfen. Wir müssen auch die Lehren daraus ziehen und sie in unser tägliches Denken und Handeln einfließen lassen. Der Volkstrauertag ist ein sehr aktueller Gedenktag, den wir brauchen. Er schützt vor dem Vergessen und Verdrängen. Er mahnt uns, aus den Schreckensbildern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Dirk Oelmann
Bürgermeister