Seit vielen Monaten beschäftigt uns die Stromtrasse Suedlink. Informationsveranstaltungen und Aktivitäten zu dieser Thematik haben stattgefunden und auch die unten abgedruckte Resolution wurde in den Gemeinderäten von Wietze und Winsen verabschiedet.
Die Planungen laufen jedoch weiter und verändern sich auch immer wieder. So waren zuletzt andere Trassenführungen im Gespräch, die neben den bisher in unserer Gemeinde betroffenen Ortsteilen Thören und Bannetze auch Walle und Winsen betreffen, da die neue Route von Bergen kommend über Walle und Winsen nach Thören und Bannetze geführt werden soll.
Auch ist mittlerweile von einem Korridor die Rede, der die dreifache Breite aufweisen soll (nämlich 150 Meter), als uns bisher in den Infoveranstaltungen bekannt gemacht wurde. Nach wie vor sperren sich die meisten Bürger nicht gegen die Stromtrasse als solches, doch lehnen sie eine oberirdische Führung, die unser bisher undurchschnittenes Gemeindegebiet durchtrennt und der Natur damit großen Schaden zufügt, ab.
Was können wir als Bürger derzeit dagegen tun, damit man auf unsere Sorgen aufmerksam wird und bei der Planung unser und auch das Wietzer Gemeindegebiet für die Erdverkabelung vorsieht? Mit der Unterschriftenliste, die Sie am Ende des Artikels herunterladen könenn, können wir eine großangelegte Unterschriftenkampagne starten.
Lassen Sie Familie, Freunde, Nachbarn, Vereinsmitglieder, Gäste usw. auf dieser Liste unterschreiben und geben Sie diese im Rathaus ab bzw. werfen Sie sie in den unseren Briefkasten. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer ist die Chance, dass unserem Votum mehr Gewicht beigemessen wird.
In unser aller Sinne hege ich große Hoffnungen, dass sich sehr viele Bürgerinnen und Bürger an der Aktion beteiligen werden. Vielen Dank schon einmal an alle, die sich in dieser Sache engagieren.
Dirk Oelmann
Bürgermeister
Resolution zur geplanten SuedLink-Stromtrasse
durch das Gebiet der Gemeinden Wietze und Winsen (Aller)
Die Bürgerinnen und Bürger und insbesondere auch die gewählten, verantwortlichen Mandatsträger in den Gemeinden Wietze und Winsen (Aller) sind sich Ihrer Verantwortung für einen zur Umsetzung des Energiewandels notwendigen, bedarfsgerechten Ausbau der Strominfrastruktur bewusst.
Die TenneT hat im Auftrag der Bundesnetzagentur Trassenkorridore für die Errichtung der Höchstspannungsleitung „SuedLinK“ entwickelt, von denen der sog. Vorzugskorridor das Gebiet der Gemeinden Wietze und Winsen (Aller) und damit den westlichen Teil des Landkreises Celle besonders trifft.
Da die TenneT die Planvorgabe hat, einen Korridor für eine Freileitung zu entwickeln, entfernt sich der „Vorzugskorridor“ in Höhe „Allertal“ von der vorhandenen Infrastruktur (BAB 7) in östliche Richtung und nimmt ihren Verlauf durch die Gemeinden Wietze und Winsen (Aller), da die Abstandsvorschriften für Freileitungen zur Wohnbebauung im Bereich zwischen den Ortschaften Marklendorf und Buchholz (Aller) ansonsten nicht einzuhalten wären.
Eine alternative Erdverkabelung im weiteren Verlauf an der BAB 7 zwischen den genannten Ortschaften hindurch wurde bis zum aktuellen Planungsstand bislang offensichtlich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Sollte der „Vorzugskorridor“ zur Ausführung kommen, bedeutet dies nicht hinnehmbare, erhebliche Beeinträchtigungen für Natur und Landschaft: So zerschneidet der Korridor das Gebiet zwischen den FFH-Gebieten „Aller“ und „Meißendorfer Teiche/Ostenholzer Moor“, wodurch massive Eingriffe in den zwischen diesen Gebieten stattfindenden regen Austausch von Vögeln, insbesondere brütenden, streng geschützten Greifvögeln zu erwarten sein werden.
Zudem zieht dieser Bereich in Verbindung mit der Allerniederung als sehr großflächiges, struktur- und nahrungsreiches „Zentrum“ sonstige kollisionsgefährdete und z.T. sehr seltene Arten wie Weißstorch, Schwarzstorch, Kranich aus der weiteren Umgebung an.
Insgesamt handelt es sich bei diesem Gebiet um einen bundesweit bedeutsamen Lebensraum und ein Rastgebiet von internationaler Bedeutung, das erheblich entwertet würde. Die im Raum Winsen und Wietze gelegenen großflächigen, zusammenhängenden Waldbereiche werden auf langer Strecke zerschnitten. Die den Wald querende Leitung birgt ein Kollisionsrisiko für waldbewohnende Vögel (Greifvögel, Eulen) und Fledermäuse, die von einem Waldteil in den anderen wechseln. In der Folge wäre mit Vertreibungseffekten durch das elektromagnetische Spannungsfeld um die Leitung herum zu rechnen.
Der Korridor durchschneidet im Übrigen ein Gebiet, das bislang nahezu unzerschnitten ist. Dieses wird begrenzt durch die A 7 im Westen, die B214 und die Ortslagen von Wietze und Jeversen im Norden, der L 298 zwischen Allerhop und Ovelgönne im Osten und der L 310 durch Fuhrberg im Süden. Unzerschnittene Räume dieser Größe sind in Deutschland selten geworden. Wegen seines Waldreichtums, seiner Störungsfreiheit und seiner Größe bietet dieses Gebiet auch sehr störungsempfindlichen Tierarten (z.B. für Kranich, Schwarzstorch) geeigneten Lebensraum. Beispielsweise brütet der Kranich seit einigen Jahren im NSG „Hochmoore bei Wieckenberg“.
Der Korridor durchschneidet darüber hinaus auch das Wasserschutzgebiet „Fuhrberger Feld“, aus der die Bürger der Region Hannover mit Trinkwasser versorgt werden. Insbesondere erfordert der breite Korridor bei dem Verlauf über mehrere Kilometer durch den Wald einen erheblichen Kahlschlag, der im Wasserschutzgebiet wegen seines massiven Eintrags von Nitrat ins Grundwasser verboten ist.
Vor diesem Hintergrund und verbunden mit der Forderung, die natürlichen Ressourcen zu schonen, sprechen sich die Gemeinden Wietze und Winsen (Aller) gegen den Verlauf des „Vorzugskorridors“ der SuedLink aus.
Stattdessen fordern wir eine Verlegung des Korridors entlang der BAB 7 unter Nutzung der Möglichkeiten zur Erdverkabelung. Der Vorrang wirtschaftlicher Interessen vor dem Schutz bislang unzerstörter Natur- und Lebensräume wird auf das schärfste kritisiert und dementsprechend ausdrücklich abgelehnt. Der notwendige Ausbau einer Stromtrasse muss dort erfolgen, wo die geringsten nachteiligen Auswirkungen auf das natürliche und gesellschaftliche Umfeld zu erwarten sind.
