Archivierte Berichte

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Alt werden ist nichts für Feiglinge …

… unter diesem Motto veranstalteten das Cafe „nebenan“ und die Gemeinde Winsen (Aller) vor einigen Tagen einen Abend mit dem Gastredner Henning Scherf. Über einhundert Gäste wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, dem ehemaligen Bremer Oberbürgermeister, der mit Themen wie „Alternative Wohnformen für Senioren“ und „Herausforderungen des Älterwerdens in unserer Gesellschaft“ in vielen Talkshows ein eloquenter Gesprächspartner war, ihre Fragen zu stellen oder auch nur seine Ansichten zu hören bzw. seinen Erfahrungen zu lauschen.

Durch seine Erfahrungen als Verwaltungschef konnte Scherf sowohl die kommunalen Aufgaben, die mit einer immer älter werdenden Gesellschaft einhergehen, beleuchten, als auch die Angebote bemessen, die es zurzeit schon in Winsen gibt bzw. in Kürze geben wird.

Immerhin gehören in unserer Gemeinde ca. 30 % dem Bereich 60plus an, der sich bei der heutigen Lebenserwartung über zwei Generationen erstreckt. Also keine Randgruppe, zu der diese Altersgruppe gern vorschnell abgestempelt wird.

Scherf zeigte sich dann auch schnell begeistert, dass es in Winsen ein Familien- und Seniorenservicebüro gibt, dass sich der entsprechenden Thematiken annimmt. Schnell wurde aber auch deutlich, dass der Bekanntheitsgrad dieser Institution noch sehr gering ist und dass das Aufgabenfeld noch deutlich erweitert werden kann, so z. B. im Bereich der Vermittlung von ehrenamtlichen Tätigkeiten, die ältere Menschen noch leisten können und wollen.

Auch der barrierefreie Ortskern und die entstehenden Wohnprojekte im Ortskern, bei denen der Fokus zum größten Teil auf den Senioren liegt, sind ein wichtiger Beitrag, um dieser Altersgruppe die Teilhabe am selbstbestimmten Leben im gewohnten örtlichen Umfeld zu ermöglichen, so Scherfs Meinung.

Allerdings mahnte Scherf, der selbst seit 30 Jahren in einer Senioren-WG lebt, auch an, dass derartige Wohnformen auch für finanziell schwächere Gesellschaftsschichten erschwinglich sein müssen. Als Fachmann für die Thematik des Lebens jenseits der 60 führte Scherf viele Beispiele aus eigenem Erleben an, wie ältere Menschen immer noch ihren Beitrag für die Allgemeinheit leisten können und wie sie selbst auch noch mit Krankheiten wie z. B. Demenz sinnvoll in die Arbeit mit Jugendlichen integrierbar sind.

Fazit des Abends war, dass unsere Gemeinde in vielen Bereichen bereits gut aufgestellt ist, dass man aber auch im Hinblick auf die Altersentwicklung noch wesentlich mehr tun muss und dass die Generation 60plus ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist, der aber nicht als eine Belastung anzusehen ist sondern vielmehr in wesentlichen Bereichen wie z. B. „Ehrenamt“ oder „Stützung des örtlichen Handels und Gewerbes“ ein Motor und eine Bereicherung darstellt.

Zwei Stunden mit Henning Scherf, die wie im Fluge vergingen und nach Meinung der Gäste eine unbedingte Neuauflage erfahren müssen. Dies wurde auch noch einmal durch den langanhaltenden Applaus für die Helfer und Organisatoren des Abends deutlich, dem ich mich an dieser Stelle auch noch einmal anschließen möchte,

Dirk Oelmann
Bürgermeister