Archivierte Berichte

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Als die Elektrizität nach Winsen kam

Winser Gemeindearchiv erhält historische Dokumente

Fast 110 Jahre ist es her, dass der Strom in Winsen (Aller) zu fließen begann. Diese Neuerung bedeutete für die Gemeinde einen enormen Gewinn an Lebensqualität: Beleuchtete Straßen verhießen ein Mehr an Sicherheit, für Haushalte und Betriebe stand nun eine gesündere Form der Energie zur Verfügung.

Wie es dazu kam, erhellen historische Unterlagen, die der Bergener Bürger Hartmann Sievers gestern Bürgermeister Dirk Oelmann und Archivleiter Lukas Mücke überreichte. Sein Großvater, der Brauereibesitzer Carl Sievers (1876–1950), gehörte zu den Mitgliedern der 1911 gegründeten Elektrizitätsgenossenschaft Winsen (Aller). Die hier vereinten Bürger und Unternehmer sorgten in Eigeninitiative dafür, dass der Ort an das Netz der Oldauer Stromkraftwerke angebunden wurde. Der Staat beteiligte sich zu jener Zeit noch nicht am Ausbau des ländlichen Stromnetzes.

Einige Dokumente aus dieser Zeit haben in der Familie Sievers die Zeiten überdauert. Da der Enkel Hartmann Sievers sie dauerhaft für die Nachwelt bewahren wollte, sprach er den Winser Heimatpfleger Bernd P. Harding an. Dieser zeigte sich hochinteressiert und nutzte das Material für einen Artikel, den er für die kommende Ausgabe der Winser Geschichtsblätter verfasste. Gleichzeitig stellte er den Kontakt zum Archiv der Gemeinde Winsen (Aller) her. Dank dieser Vermittlung gingen nun u. a. eine Ausfertigung des Genossenschaftsvertrages vom 7. Januar 1911 und eine Aufstellung zu den damals erwarteten Kosten in den Bestand des Archivs über. Besonderen Wert besitzt auch ein handgezeichneter Lageplan, der die Linienführung des neuen Leitungsnetzes durch die Winser Straßen und gleichzeitig deren alten Verlauf veranschaulicht.

Bürgermeister Dirk Oelmann bedankte sich sehr herzlich bei Herrn Sievers. „Diese Unterlagen besitzen für uns einen hohen geschichtlichen Wert. Die Identität der Gemeinde Winsen (Aller) leitet sich in besonderem Maße auch aus ihrer Vergangenheit ab. Und um diese in Erinnerung zu behalten, sind wir darauf angewiesen, dass solche Dokumente dauerhaft erhalten und auch zugänglich gemacht werden. Dafür ist unser Archiv der geeignete Ort.“ Lukas Mücke unterstrich bei dieser Gelegenheit seine Hoffnung, dass andere Bürgerinnen und Bürger dem Beispiel von Herrn Sievers folgen werden: „Wer beim Aufräumen auf alte Unterlagen oder Fotografien zur Geschichte der Ortsteile unserer Einheitsgemeinde stößt, möge diese bitte nicht sofort entsorgen. Was auf den ersten Blick als wertlos erscheinen mag, kann wichtige Informationen über den Alltag in früheren Zeiten liefern. Unsere Heimatpflegerinnen und -pfleger oder auch ich selbst prüfen sehr gern, ob eine Übernahme ins Archiv in Frage kommt.“