"2017 kann es ja nur besser werden!", das war der Satz, den ich zum Jahresende am häufigsten gehört habe.
Verborgen geblieben ist mir aber immer wieder, was die Menschen, die so ernüchtert auf das Jahr 2016 zurückblicken, selbst dazu beitragen wollen, dass 2017 so viel besser wird. Oft genügt es ja schon, einfach einmal den Blickwinkel zu ändern. Das gilt im Besonderen dann, wenn man sich entscheiden muss, ob man nun das Glas als halb voll oder halb leer ansehen will.
In Bezug auf die Winser Gemeindefinanzen bedeutet das zum Beispiel, dass wir für 2017 mit einem Defizit planen müssen. Das klingt ohne Zweifel nach „halb leer“. Aber - wir haben in den letzten fünf Jahren unsere Haushalte immer mit einem Überschuss abgeschlossen und mittlerweile eine Rücklage von über 1,7 Mio. Euro geschaffen, die wir nun teilweise zur Deckung des Defizits in Anspruch nehmen möchten.
Damit wichtige Arbeiten endlich erledigt und weitere Schäden vom Gemeindevermögen abgewendet werden. Dazu zählen im Wesentlichen Instandhaltungsmaßnahmen in den Bereichen Straßen, Brücken, Gebäude, Spielplätze uvm., wo wir die Etats zum Teil erheblich angehoben haben.
Auch die Heidefläche in der Verlängerung der Wolthäuser Straße, deren ungepflegter Zustand ebenfalls seit Jahren ein Ärgernis ist, soll 2017 komplett rekultiviert werden und den Bürgerinnen und Bürgern sowie auch den Touristen in unserer Gemeinde als Erholungsort dienen.
Selbst die Verschuldung der Gemeinde konnte im letzten Jahr noch um ca. 0,2 Mio. Euro verringert werden. So betrachtet ist dann das Glas (zumindest aus meiner Sicht) doch eher „halb voll“.
Ein weiteres Beispiel: Wie viele andere Menschen habe auch ich mich maßlos darüber geärgert als ich mitbekommen habe, dass es Flüchtlinge mit Mehrfachidentitäten gegeben hat bzw. immer noch gibt. Es darf hier nichts beschönigt werden, es gibt mit Sicherheit einen sehr geringen Prozentsatz an Flüchtlingen, die die Möglichkeiten ausnutzen und Sozialbetrug begehen oder in anderer Weise eine Gefahr für unsere Gesellschaft darstellen.
Oft neigt man dann zu pauschalen Betrachtungen, dass "die da oben mal wieder großen Mist verzapft" haben bei den politischen Entscheidungen, die dies ermöglicht haben und wie man selbst es besser gemacht hätte. Im Nachhinein betrachtet ist das nicht die große Kunst, mit dem Wissen und den Erfahrungen von heute Entscheidungen von gestern zu kritisieren. Ich stelle mir dann zusätzlich die Frage, ob man selbst auch den Mut gehabt hätte, ohne hundertprozentige Absicherung (die es aus meiner Sicht sowieso nicht gibt) die nötigen Entscheidungen zu treffen, um Prozesse nicht aufzuhalten, Hilfe zu gewährleisten oder Gefahren abzuwenden.
Mein Respekt gilt hier doch eher den Machern, die Verantwortung übernehmen als den ewigen Zauderern, Besserwissern und Populisten, die Schuld gern nach oben oder an Schwächere abgeben, um von der eigenen Unsicherheit abzulenken.
Als guten Vorsatz für 2017 rege ich an, in großen wie in kleinen Dingen oft auch einmal die andere Perspektive einzunehmen. Es erleichtert das Verständnis für die andere Seite und führt in Diskussionen dazu, dass man tragfähige Kompromisse findet. Vielleicht war 2016 ja gar nicht so ein schlechtes Jahr und nur augenscheinlich von Terror, Trump und Tod bestimmt.
Eventuell war es einfach ein Jahr, in dem besonders viele schwierige Entscheidungen zu treffen waren, um deren Erreichung manchmal mehr Spektakel zur Darstellung der eigenen Position gemacht wurde, als das man wirklich das Wohl aller bzw. den größten gemeinsamen Nenner im Auge gehabt hätte. Das können wir sicherlich besser, damit 2017 so gut wird, wie wir es uns alle wünschen.
Dirk Oelmann
Bürgermeister
