Altbürgermeister Hermann Buchheister ist im Alter von 86 Jahren verstorben

Das Wirken von Hermann Buchheister vollzog sich in Winsen und weit darüber hinaus. In erster Linie Familienmensch, war Hermann Buchheister zudem eine überaus aktive Persönlichkeit in der Politik und im Vereinsleben unserer Gemeinde. Mit 24 Jahren kam er 1959 nach Winsen, um hier im Rathaus als Kassenverwalter zu arbeiten. Während seiner zwölfjährigen beruflichen Tätigkeit in Winsen war er u. a. Standesbeamter und Schiedsmann. Hervorzuheben ist aus dieser Zeit aber besonders, dass er auch acht Jahre lang als stellvertretender Gemeindedirektor unter dem von ihm sehr geschätzten Karl Gustav Linde tätig war.

Mit seinem beruflichen Wechsel in den Ministerialdienst nach Hannover im Jahre 1971 eröffnete sich ihm die Möglichkeit, sich aktiv in das politische Leben seines Wohnortes einzubringen. So zog er 1972 für seine SPD, der er mehr als 50 Jahre angehörte und deren langjähriger Fraktions- und Ortsvereinsvorsitzender er war, in den Winser Gemeinderat ein und gehörte diesem fast 30 Jahre an. In zahlreichen Ausschüssen, u. a. durchgängig im Verwaltungsausschuss, brachte er die Entwicklung Winsens durch sein Fachwissen voran. In der Funktion als 2. stellvertretender Bürgermeister, die er von 1972 bis 1986 ausübte, vertrat er sie auch nach außen hin.

Während seiner gesamten politischen Laufbahn lagen ihm ganz besonders die Themen rund um den Tourismus sowie die Wirtschaft in der Gemeinde am Herzen. Durch das Vertrauen, das er durch 20-jährige Ratsarbeit in der Gemeinde aufbauen konnte, gelang es ihm, im Jahr 1991 zum Winser Bürgermeister gewählt zu werden und dieses Amt zehn Jahre lang erfolgreich auszuüben. War er schon seit 1973 als Vertreter für seine Gemeinde Winsen im Celler Kreistag aktiv, so folgten nun mit seiner Wahl zum Bürgermeister eine Fülle von Ämtern, die ihn auch über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und zu einem geschätzten Verhandlungspartner und Mitstreiter machten.

So repräsentierte er Winsen u. a. im Wasserversorgungs- und im Abwasserverband sowie in der SVO und darüber hinaus auch auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene im Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. Bis zu seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2001 genoss Hermann Buchheister ein überaus hohes Ansehen und war über die Parteigrenzen hinweg geschätzt für seine Kompetenz und Gradlinigkeit. Dass er zudem durchaus ein humoriger und umgänglicher Mensch war, bewies er den Ratsmitgliedern immer wieder dadurch, dass man sich nach den Sitzungen gern noch einmal in geselliger Runde traf, um, wie er es nannte, „ein paar Rote zu vernichten“.

Schon während seiner politischen Tätigkeit, aber auch noch lange darüber hinaus, wirkte Hermann Buchheister in den verschiedensten Winser Vereinen mit. Sein ehrenamtliches Wirken als Heimatpfleger und seine zum Teil jahrzehntelange Zugehörigkeit u. a. zur SPD und zum Winser Heimatverein, dessen Gründungsmitglied er 1989 war und den er zudem viele Jahre lang als Pressesprecher nach außen hin mit guten Worten vertrat, lassen sich nicht in Daten und Zahlen ausdrücken, um dann eine Wertung des Stellenwertes in seinem Leben vorzunehmen. Das würde ihm nicht gerecht werden, denn was er gemacht hat, das hat er immer mit der gleichen Intensität und Professionalität getan – mindestens hundertprozentig und dabei absolut zuverlässig und gewissenhaft.

War er für den Winser Heimatverein unterwegs, dann war er auch mit Kopf und Herz dabei, und war er bei seinen Sozialdemokraten, dann war er dort ganz und gar. Hermann Buchheister hat sich mit dem, was er tat, immer voll und ganz identifiziert. Wenn er das nicht konnte, dann hat er sich rausgehalten und seine Kraft und Aufmerksamkeit den Menschen und Dingen gewidmet, die es nötiger hatten. Keiner, der ihn erlebt hat, würde behaupten, dass er ein „Man-könnte-mal“- oder „Man-müsste-mal“-Typ war. Die Dinge, die ihm wichtig erschienen, hat er angesprochen, angepackt und bis zu ihrer Vollendung begleitet. Dabei war er auch nicht immer bequem. Fielen ihm Dinge auf, die aus seiner Sicht nicht richtig liefen, dann sprach er sie so lange an, bis sie tatsächlich erledigt waren. Zu seinen herausragendsten Eigenschaften gehörte dabei, dass er Freunden wie Fremden in der gleichen immer sachlichen, immer ruhigen und immer konstruktiven, dabei bei Bedarf durchaus beharrlichen Art gegenübertrat.

Unmöglich, alle Leistungen und Verdienste von Hermann Buchheister hier heute aufzuzählen. Unerwähnt kann aber nicht bleiben, dass er durch seine Funktionen als Bürgermeister, Heimatpfleger und Autor des im Jahre 2006 erschienenen Buches „Winsen (Aller) – 1945 und heute“ selbst ein Teil der Geschichte dieses Ortes geworden ist, der ihm so viel bedeutet hat. Seine mit bewundernswerter Hingabe und Akribie betriebene Recherche zur Historie der Winser Kommunalpolitik wird auch dann noch eine maßgebliche Quelle für spätere Historiker sein, wenn wir alle schon nicht mehr auf dieser Welt unterwegs sein werden.   

Die gesamte Gemeinde Winsen (Aller) sowie die Institutionen, Vereine und Verbände, in denen Hermann Buchheister gewirkt hat, verdanken ihm unendlich viel und werden ihm deshalb ein gebührendes und ehrendes Andenken bewahren. Unser aller Mitgefühl gilt der Familie, der ich aber auch meinen ganz besonderen Dank aussprechen möchte, denn ohne ihre Unterstützung und Zurückstellung der eigenen Interessen, und dies gilt sicher in ganz besonderem Maße für seine im letzten Jahr verstorbene Frau Hedda, wäre das großartige Wirken von Hermann Buchheister in dieser Art und Weise niemals möglich gewesen. Das wusste er und das wissen wir.

Stellvertretend für die Mitglieder unserer Institutionen, Vereine und Verbände verneigen wir uns vor Hermann Buchheister.

Dirk Oelmann