30 Jahre Dorfgemeinschaftshaus in Stedden

Steddener Glockenturm und Dorfgemeinschaftshaus

© Lothar H. Bluhm Steddener Glockenturm und Dorfgemeinschaftshaus

Heimatpflegerin Friederike Schiedung erinnert sich

STEDDEN. Während des jüngsten Arbeitstreffens der Winser Heimatpfleger in der alten Schule in Stedden überreichte Bürgermeister Dirk Oelmann Friederike Schiedung eine aktuelle Zeichnung mit Ansichten aus Stedden. Im Mittelpunkt: Das Dorfgemeinschaftshaus. Anlass war das 30-jährige Bestehen der Einrichtung, die von den örtlichen Vereinen genutzt wird. 

Die Steddener Heimatpflegerin Friederike Schiedung erinnerte dabei an die unterschiedlichen Phasen des Gebäudes in der Mitte des Ortes: Nach halbjähriger Umbauzeit sei die Alte Schule als Dorfgemeinschafshaus eingeweiht worden, wobei die in einen Balken eingestochene Jahreszahl 1859 präzise Auskunft über das Baujahr des Hauses gab. „Als aber erst der Elektriker senkrecht darüber ein Kabel legte – genau zwischen die Acht und die Fünf – und dann auch noch der Tischler mit einer Türzarge die Neun abdeckte, war die alte Zahl nicht mehr zu finden: Sie war praktisch ‚wegrenoviert‘ worden“. 

Wie Schiedung weiter ausführte, hatte sie schon mit Skepsis die damalige Entscheidung betrachtet, modische Fachwerkbretter vor eine echte Fachwerk-Innenwand zu setzen und eine Balkendecke zu imitieren. Von dem ‚Dahinter‘ und dem ‚Früher‘ zu wissen und die Qualität zu erkennen um sie in das Neue sinnvoll zu integrieren – das mache Dorfkultur aus und falle in den Bereich der Heimatpflege. „Auf die Steddener Schule bezogen heißt das: Zu wissen, was in den 100 Jahren vorher mit diesem Gebäude geschah, lässt uns pfleglicher und verantwortungsbewusster mit diesem alten Haus umgehen.“

1859 ist die Schule gebaut worden – einschließlich einer Lehrerwohnung. Ein Scheunenanbau erfolgte 1898 und ein weiterer Klassenraum wurde 1916 von Baumeister Dettmer in Winsen ergänzt. Bis 1961 war die Schule in Betrieb: Der Klassenraum wurde anschließend ein „Dorfraum“, die Wohnung mit Garten vermietet. 

30 Jahre später erfolgte der Umbau zum Dorfgemeinschaftshaus, wobei 2004 die Scheune zum Besenbinder-Raum ausgebaut wurde. 2013 errichtete die Dorfgemeinschaft den freistehenden Glockenturm

Ob der Verein Dorfgemeinschaft, der Hand- und Spanndienst oder der Ortsrat zusammen kommen: Das Dorfgemeinschaftshaus spielt seither eine wichtige Rolle im Ort. Singkreis, Jagdhornbläser, Gymnastikgruppe, Boule-Gruppe und Seniorengemeinschaft wissen um den Wert des Dorfmittelpunktes. 

Jetzt mit vermutlich abklingender Corona-Pandemie müssen einzelne Aktivitäten erst einmal wieder anlaufen. „Das Haus wird aber auch vielfach an Steddener Bewohner vermietet“, sagte Schiedung: „Das Dorfgemeinschaftshaus konzentriert das Zusammenleben der rund 300 Einwohner in der Mitte, wo andere Dörfer einen Treffpunkt durch eine Kirche, eine Gastwirtschaft oder ein Lebensmittelgeschäft haben.“ Auch Kunstausstellungen und Themenabende finden in dem Haus statt. „Man sieht sich, lernt Neubürger kennen, tauscht sich persönlich aus“, sieht Schiedung auch künftig Leben in dem alten Gebäude. 

Lothar H. Bluhm (CZ)