Winser Unternehmen in Corona-Zeiten

Nun ist er da, der zweite Lockdown. Wenn auch light, so hat er doch erneut gravierende Auswirkungen auf unser aller Lebensumstände. Und dass es wie so oft im Leben manche Personen und Bereiche härter trifft als andere, so wie es derzeit z. B. Handel und Gastronomie erleben, das ist leider eine unabänderliche Tatsache bei Entscheidungen, die für einen sehr großen Kreis getroffen werden.

Ob alle Maßnahmen, die von Regierungs- und Länderseite beschlossen wurden, nun gänzlich richtig sind, dass vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür müsste man wahrscheinlich auch Epidemiologe, Wirtschaftsexperte, Soziologe uvm. in einer Person sein. Gut ist aber in jedem Fall, dass überhaupt und jetzt gehandelt wird, damit wir zumindest die Chance haben, im Dezember Verhältnisse vorzufinden, die uns in der Weihnachtszeit Dinge wie familiäres Miteinander, Einkaufsbummel usw. ermöglichen.

Gerade im Hinblick auf Ihr Konsumverhalten in dieser für Handel und Gastronomie so wichtigen Zeit kann ich nur erneut an Sie appellieren, dass Sie sich bei jeder Ausgabe überlegen, ob das Geld nicht auch im Ort bleiben kann.

Mir bereitet es nach wie vor große Sorge, dass Versandunternehmen, die teilweise noch nicht einmal Steuern in Deutschland bezahlen, immer exorbitantere Gewinne einfahren, während unserem Handel vor Ort langsam die Puste ausgeht. Geschäfte und Gastronomie vor Ort bedeuten Lebensqualität, soziales Miteinander und so viele persönliche Vorteile, die jeder von uns bei der ehrlichen Beantwortung der Frage „Wie wäre es für mich, wenn es in Winsen nur noch Supermärkte geben würde?“ erkennen müsste. Wo halte ich meine Familienfeier oder eine Vereinsversammlung ab, wo kann ich Ware anfassen und mir erklären lassen, wer repariert sie mir im Bedarfsfall, wer sponsert die Schul- und Sportvereine, wer stellt Ausbildungsplätze vor Ort zur Verfügung, wo trifft man sich mal auf ein kühles Bier am Sommerabend oder zum Kegeln in geselliger Runde – das alles sind Fragen, die wir uns beizeiten und nicht erst dann stellen sollten, wenn es zu spät ist.

Im Augenblick habe ich allerdings oftmals eher den Eindruck, dass die Frage, welche Gastwirtschaft oder welches Geschäft zuerst Insolvenz anmeldet, die Bürgerinnen und Bürger mehr beschäftigt. In dieser ohnehin schon schwierigen Zeit für Gastronomie und Handel ist es natürlich wenig hilfreich, wenn z. B. Familienfeiern für 2021 mit der Begründung „Ich habe gehört, da gibt es Sie ja ohnehin nicht mehr“ abgesagt werden.

Darum greife ich gern den Hilferuf eines Winser Gastronomen auf und stelle klar, dass bis jetzt noch niemand beabsichtigt, sein Lokal oder Geschäft zu schließen. Alle sind willens, die schwere Zeit durchzustehen und für ihren Erhalt zu kämpfen.

Und wir als Bürgerinnen und Bürger können das tatkräftig unterstützen, indem wir den Außer-Haus-Verkauf der Lokale in Anspruch nehmen und unsere Weihnachts- und auch sonstigen Einkäufe ganz verstärkt auf Winsen verlagern. Lassen Sie uns einmal mehr unter Beweis stellen, dass Winsen füreinander einsteht. Ich zähle auf Sie!         

Dirk Oelmann  
Bürgermeister